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"BWB Insight" Ausgabe 19: Bestattungsmarkt

Die BWB analysiert seit mehreren Jahren den Bestattungsmarkt aufgrund zahlreicher Beschwerden des Marktmachtmissbrauchs.

Ausgabe 19: Bestattungsmarkt

Bestattungsunternehmen erhielten ua zu Aufbahrungshallen nur erschwert Zugang indem von den Pächtern exzessive Preise gefordert wurden oder die Verpflichtung bestand, das Inneninventar zu stark überhöhten Preisen zu mieten. Die Pächter waren meistens selber Bestattungsunternehmen und versuchten so andere Wettbewerber vom Markt zu drängen.
 
Durch diese Verdrängungsmethoden leiden Angehörige, die einen zu hohen Preis für Bestattungen bezahlen müssen. Die BWB hat sich daher 2018 dazu entschlossen, den Standpunkt zum Bestattungswesen zu erneuern. Eine der Analysen ergab eine mangelnde Transparenz der Preise für Bestattungen auf den Webseiten. Dies veränderte sich 2019 kaum. Seit der Veröffentlichung des Standpunktes sind die Beschwerden deutlich zurückgegangen, wobei sich weitere Beschwerden abzeichnen.
 
„Der Tod eines Angehörigen gehört zu den schwierigsten Zeiten im Leben. Die Digitalisierung und der Wettbewerb sind stützende Hilfsmittel um Angehörigen die Organisation eines Begräbnisses zu erleichtern.  Es ist nur eine Frage der Zeit, dass Bestattungsunternehmen die Digitalisierung als Vorteil erkennen und sich an die Kundenwünsche anpassen. Denn laut Studien suchen 60 % der Personen zunächst im Internet nach Dienstleistungen und Produkten.“, erklärt Dr. Theodor Thanner, Generaldirektor der BWB. 
 
Bestattungsmarkt im Fokus der europäischen Wettbewerbsbehörden

Nicht nur in Österreich, sondern auch in anderen Ländern sind Wettbewerbsbehörden im Bestattungsmarkt sehr aktiv. Die Wettbewerbsbehörde in Großbritannien veröffentlichte dieses Jahr eine umfangreiche Studie zum Bestattungsmarkt. Sie kam unter anderem zum Ergebnis, dass durch Angebotsvergleiche für Bestattungen, eine Kostenersparnis von bis zu 1.000 Pfund erzielt werden können. Allerdings würden nur 14 % der betroffenen Angehörigen tatsächlich Angebote vergleichen.

Seit 2014 wurden in Spanien Geldbußen in mehreren Städten und Gemeinden (ua Belalcazar, Malagga, Aracena) gegen Bestattungsunternehmen aufgrund von Marktmachtmissbrauch verhängt. Unter anderem wurde Bestattern nicht erlaubt Aufbahrungshallen zu benützen. In Frankreich wurde ein Unternehmen mit einer Geldbuße iHv EUR 80.000,00 sanktioniert aufgrund der Forderung von diskriminierenden Gebühren. Die polnische Wettbewerbsbehörde bearbeitete in den letzten Jahren mehr als 100 Fälle im Bestattungsmarkt insbesondere aufgrund des Marktmachtmissbrauchs der Friedhofsbetreiber. Denn diese erlaubten anderen Bestattungsunternehmen nicht, Dienstleistungen auf den Friedhöfen zu erbringen.  In Finnland, Kroatien und Irland kam es ebenfalls zu Ermittlungen im Bestattungsmarkt.