25. Competition Talk of the BWB on 13.9.2016

  • 25. Competition Talk of the BWB on 13.9.2016

Als erster Redner widmete sich Dr. Heimo Hackel den Herausforderungen der Branche und des Marktes. Er betonte, dass Kartenzahlungen immer mehr an Bedeutung zunehmen und ein deutlich günstigeres und sicheres Zahlungsmittel sind als Zahlungen mit Bargeld. Er erläuterte weiters, dass card complete im Issuing, Acquiring, Processing und in der Point of Sale Terminalabwicklung tätig ist und der einzige österreichische Komplettanbieter ist. Mit einem flächendeckenden Netz von Akzeptanzstellen und ca 1,5 Mio Karteninhabern verfügt card complete über eine langjährige Erfahrung als Partner von österreichischen Banken und Unternehmen.

Anschließend erklärte er die Bedeutung von Issuing. In Österreich können die Konsumenten unter einer Vielzahl an Anbietern wählen, wobei der wichtigste Vertriebskanal für die Kreditkarten nach wie vor die Banken sind. Dabei bieten die Banken ihren Kunden Kreditkarten an, die in der Regel als Vertriebspartner von Gesellschaften wie card complete ausgegeben werden. Dabei wird der Vertrag zwischen Karteninhaber und der Kartengesellschaft abgeschlossen.  Einige Banken geben aber auch als selbstständiger Ausgeber Kreditkarten aus. Dr. Hackl betonte, dass es auch weitere Aspekte gibt, die für ein anhaltendes Wachstum im Issuing sprechen, so liegt beispielsweise das politische Interesse im Bereich der vermehrten Transparenz sowie in der Einfachheit der Anwendung. Im Bereich des Acquiring führte Dr. Hackel  aus, dass ein intensiver Wettbewerb um den Abschluss von Akzeptanzverträgen mit Händlern herrscht. Dabei sind eine Vielzahl an mittelgroßen und kleinen Marktteilnehmern, die sich auf Teilsegmente konzentrieren, am heimischen Markt tätig.

In einem weiteren Punkt wies Dr. Hackl darauf hin, dass der Wettbewerb aufgrund der neuen Interbankenentgelte-Verordnung für kartengebundene Zahlungsvorgänge (auch MIF-VO)[1]stark angekurbelt werden wird. Interbankenentgelte sind Gebühren, die bei Kartenzahlungen anfallen. Sie sind ein Teil des Disagios, den der Acquirer des Händlers an den Kartenausgeber (Issuer) zu bezahlen hat. Ziel der MIF-VO war es Kosten zu senken und diese Kostensenkungen an die europäischen Konsumenten durch eine Reduktion der Warenpreise weiterzugeben. Des Weiteren soll die Deckelung der Interbankenentgelte den Wettbewerb für Kartenzahlungen verbessern und Hindernisse für die Einführung innovativer Zahlungstechnologien beseitigen. Abschließend betonte er, dass die Zahl an Kartenzahlungen auch in Zukunft steigen wird, da es die Bequemlichkeit und den Umsatz fördert sowie Transparenz und mehr Sicherheit mit sich bringt.

2. Dr. Josef Kubitschek (Verein für Konsumenteninformation)

Anschließend ergriff Herr Dr. Kubitschek vom Verein für Konsumenteninformation das Wort und erläuterte Allgemeines zum funktionierenden Wettbewerbs und die dazugehörigen ökonomischen Theorien von Adam Smith. Er betonte, dass der Banken-Wettbewerb aus ökonomischer Sicht organisatorisch gewachsen sei und Rahmenbedingungen für den Wettbewerb notwendig sind. Danach ging er ebenso auf die MIF-Verordnung ein und argumentierte, dass die Disagio-Ersparnisse der Händler direkt den Konsumenten zugutekommen sollten. Er betonte, dass gerade die Spürbarkeit der Maßnahmen bei Verbrauchern als Zahlungskartennutzern im Gesamtkontext  zu sehen ist. So haben bei Kreditkartenzahlungen verschiedene Gebühren Einfluss auf das Disagio. Die Interbankenentgelte wurden bisher zwischen Händler und Acquirer bilateral festgelegt. Durch die MIF-VO wurde dieser Anteil des Disagios pro Kreditkartentransaktion mit 0,3 % gedeckelt.

Abschließend erklärte er, dass der VKI derzeit bereits versucht die Konsumenten zu informieren. Dr. Kubitschek betonte aber, dass er  erkennt, dass sich eine Zwei-Klassengesellschaft bei Zahlungsmöglichkeiten entwickelt , da oftmals die ältere Generation nicht mehr mit der jungen Generation mithalten kann. Er erklärte, dass es eine spannende Zeit für Konsumentenschützer ist, gerade hinsichtlich der Frage wie man helfen kann, Entwicklungen für alle Generationen verständlich zu machen.

3. Michael Mikulik (Office for the Protection of Competition of Czech Republic)

Abgerundet wurden die Impulsreferate mit dem Vortrag von Herrn Mikulik, einem Kollegen der tschechischen Wettbewerbsbehörde. Er erklärte, dass die tschechische Wettbewerbsbehörde eine eingehende Untersuchung des Kreditkartenmarktes zwischen 2008 und etwa 2012 durchführte. Diese Untersuchung fand im Anschluss an die Untersuchungen der Europäischen Kommission gegen  Master Card statt (COMP/34.579 - MasterCard ua). Die tschechische Wettbewerbsbehörde beschäftigt sich mit der MIF-VO, vor allem hinsichtlich der Intransparenz der versteckten Kosten bei Kreditkartengebühren sowie mit Fokus auf den Acquirer Markt. Anschließend erläuterte er, dass es in der Tschechischen Republik eine Transaktionsebühr von zirka 0.8% bis 2% gibt, wobei diese bei manche Kreditkarten, zB für Platinum Karten höher ist. Darüber hinaus betonte er, dass er sich mehr Transparenz bei Gebühren wünschen würde. Abschließend betonte er, dass man keine überzeugenden Gründe gefunden hat, ein Verwaltungsverfahren einzuleiten und hauptsächlich durch die Einführung der europäischen Regelungen Verbesserungen stattgefunden haben.

Nach einer ausgiebigen Diskussionsrunde verabschiedete sich Generaldirektor Dr. Thanner und bedankte sich bei den Vortragendenden sowie den zahlreich erschienen Gästen. Der nächste Competition Talk wird am 24.10.2016 mit Volksanwalt Dr. Fichtenbauer in den Räumlichkeiten des Hotels Stefanie stattfinden.

[1] VO (EU) 2015/751 des EP vom 29.04.2015. MIF steht für die englische Bezeichnung der VO, Multilateral Interchange Fee regulation.

Redeunterlage von Dr. Heimo Hackel
Redeunterlage von Dr. Josef Kubitschek