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BWB/Z-3250 Genehmigung des Zusammenschlusses Gewista - Ankünder mit Auflagen

​Das Kartellgericht hat den Zusammenschluss Gewista - Ankünder am 19.4.2017 mit Auflagen genehmigt. Der Beschluss ist nun rechtskräftig.

Der am 24.10.2016 angemeldete Zusammenschluss umfasste insbesondere die Erhöhung der Beteiligung des führenden Anbieters von Außenwerbung Gewista-Werbegesellschaft m.b.H., Wien („Gewista“) am drittgrößten Anbieter Ankünder GmbH, Graz („Ankünder“) von 24,9 % auf 33,3%. Ankünder erlangt im Gegenzug von Gewista Anteile zu je 49 % an Megaboard und (indirekt) dem Teilbetrieb Tirol-Vorarlberg, die beide bisher zu 100 % im Eigentum von Gewista standen, sowie Know-How im Bereich der Digitalisierung, in welchem Gewista und insbesondere deren Muttergesellschaft JC Decaux Innovationsführer sind.

Gründe für den Prüfungsantrag

Sowohl BWB als auch Bundeskartellanwalt stellten einen Antrag auf vertiefte Prüfung durch das Kartellgericht. Nach Ansicht der BWB war insbesondere zu prüfen, ob das Vorhaben eine marktbeherrschende Stellung von Gewista auf dem nationalen Außenwerbemarkt begründet oder verstärkt (zB. indem Gewista von Ankünder bei der Vergabe/Zubuchung von Flächen in der Steiermark gegenüber anderen Konkurrenten bevorzugt wird; indem Ankünder als tatsächlicher oder potentieller Konkurrent von Gewista wegfällt; indem Gewista einen entscheidenden Vorteil im Aufbau eines nationalen digitalen Netzes erhält; indem Ankünder bei nationalen Buchungen Flächen von Gewista bevorzugt u.a.)

Ebenso war zu prüfen, ob dadurch auch eine marktbeherrschende Stellung von Ankünder auf dem Außenwerbemarkt in der Steiermark begründet oder verstärkt wird (zB. indem Gewista bevorzugt/verstärkt bei Ankünder zubucht und nicht mehr bei anderen Konkurrenten von Ankünder; durch einen Vorsprung durch einen Know how-Transfer im Bereich der Digitalisierung u.a.).

Beschluss des Kartellgerichts

Das Kartellgericht ging auf Basis eines von ihm in Auftrag gegebenen Gutachtens - wie die BWB - weiterhin von einem eigenen Markt für Außenwerbung aus, der von anderen Werbemärkten zu trennen sei. Ebenso kam es zu dem Schluss, dass der Zusammenschluss zu einer signifikanten Konzentration in den betrachteten Märkten führt, die nicht mehr als per se unbedenklich gelten kann.

Anders als die BWB ging das Kartellgericht jedoch davon aus, dass diese erhöhte Konzentration dennoch kaum zu wettbewerblichen Problemen führen wird. Weder erwartet es „klassische“ negative horizontale Effekte wie etwa Preiserhöhung oder Qualitätsreduzierung, da ein hoher Fixkostenanteil und eine gegengewichtige Marktmacht von Mediaagenturen bei nationalen Kampagnen gegensteuern würden. Noch erwartet das Kartellgericht negative vertikale Auswirkungen wie eine Abschottung von Kunden (indem Ankünder und Gewista künftig nur mehr gegenseitig zubuchen, nicht mehr jedoch bei Konkurrenten), da dies entweder schon jetzt passiere und keine Änderung zu erwarten sei oder die Änderung durch den jetzigen Zusammenschluss nur marginal sei. Auch die Digitalisierung sei in vorhersehbarer Zukunft kein transformatorisches Thema und daher nicht ausschlaggebend.

Lediglich bezüglich der Möglichkeit und dem Anreiz zur potentiellen Abschottung von Einsatzmittel für nationale Kampagnen teilte das Kartellgericht die Sorgen der BWB. Es wurden daher Auflagen verhängt, die die diskriminierungsfreie Zubuchungsmöglichkeit von ausreichend Werbeflächen aller Medienarten (insbesondere City light und Poster lights, da diese fast ausschließlich im Eigentum von Ankünder stehen) in Graz und Steiermark Land in entsprechender Qualität zu marktüblichen Konditionen für nationale Kampagnen vorsehen.

Die von den Zusammenschlussparteien angebotenen Verhaltensauflagen wurden vom (vom Kartellgericht beauftragten) Gutachter mittels mehrerer Markttests mit betroffenen Unternehmen überprüft und letztlich vom Kartellgericht als geeignet befunden, um die wettbewerblichen Bedenken nachhaltig auszuräumen. Die Einhaltung der Auflagen wird durch einen Treuhänder überprüft werden, der den Amtsparteien berichtet.